Reiseerlebnisse Berichtet von Uta und Rudolf Nagel


 

 

 

               Pic du Canigou ...    Juni 2005

...und anderes über unsere Pyrenäenreise

Wir wollten die Pyrenäen sehen, haben jedoch keine Ahnung von der spanischen oder französischen Sprache. Zunächst war guter Rat teuer, aber dann kam uns wieder einmal der Zufall zur Hilfe. Ist man Mitglied in einem Verein, lernt man ganz schnell Leute, auch aus anderen Vereinen kennen, deren Interessen ähnlich wie die eigenen sind. Durch entsprechende Hinweise bot sich die Gelegenheit, uns einer Wandergruppe des Schwarzwaldvereins Freiburg anzuschließen.

Unser erster Standort war Vernet les Bains, ein katalanischer Ort in den französischen Ostpyrenäen. Wir wanderten über Bergkämme auf Gipfel, durchstreiften Schluchten in schwindelerregender Höhe und besuchten Klöster sowie Bergdörfer, die verlassen worden waren und nun zaghaft von Katalanen und Aussteigern aus aller Welt wieder besiedelt werden.

Vernet liegt am Fuße eines riesigen Felsmassivs in dessen Mittelpunkt sich der 2784 m hohe Pic du Canigou, der heilige Berg der Katalanen, befindet. Seine Besteigung sollte uns entgegen der Hoffnungen, die wir hegten, eigentlich verwehrt bleiben, da die Fahrwege zu den Ausgangspunkten erst Mitte Juni geöffnet werden und ein 2000 m - Auf- und Abstieg an einem Tag für uns nicht machbar war. Wir waren enttäuscht. Der von der Wandergruppe gebuchte Bergführer machte uns trotzdem Hoffnung und bot an, seine Beziehungen zu nutzen und mit seinem Auto auf eigenes Risiko zu fahren. Die Leiterin der Gruppe war sehr kulant und "lieh" uns den Bergführer für einen Tag, obwohl wir nur sechs Interessenten waren.

Der Wagen brachte uns auf eine Höhe von 1700 m, dann ging es zu Fuß weiter. Anfangs wanderten wir auf dem Fernwanderweg GR10, der Atlantik und Mittelmeer verbindet und hatten kaum Höhenunterschiede zu bewältigen, nur ein Fluss zwang uns, Schuhe und Socken einmal auszuziehen. An einem dicht mit Ginster bewachsenen Hang gewannen wir dann an Höhe, die Hitze ließ jedoch nicht nach. Auch der dann folgende, teilweise mit Schnee bedeckte Kessel brachte keine Abkühlung. Die Landschaft ist fantastisch und hier oben bei fast 2500 m sieht es wie in den Alpen aus. Der Pfad erfordert Trittsicherheit. Ein überaus steiles Schneefeld ist noch zu umgehen und dann kommen die letzten reichlich einhundert Höhenmeter leichter Genusskletterei. Wir staunten nicht schlecht, als Guy, unser Bergführer, auf dem Gipfel eine Flasche Sekt auspackte und wir anstoßen konnten. Fast eine Stunde nahmen wir uns Zeit, um mit den Augen unsere Umgebung zu erkunden. Eine aufziehende schwarze Wolke erinnerte uns, dass es Zeit für den Rückweg war. Durch das Abfahren auf einem Schneefeld ersparten wir uns ein wenig Zeit und kamen gerade noch trocken zum Auto.

Am nächsten Tag zogen wir zum Atlantik um. Unterwegs besuchten wir jedoch noch Carcassonne, eine Stadt, die wie eine Burg aussieht und wo man unwillkürlich erwartet, dass man von Menschen aus der Ritterzeit empfangen wird.

Die Westpyrenäen stellen sich völlig anders dar. Während im Osten die Berge sich steil aus dem Mittelmeer erheben, bilden sie hier flach aufsteigend ein Mittelgebirge mit Gipfeln bis zu ca. 1000 m. Wer den Pyrenäen-Fernwanderweg GR10 begehen will, ist deshalb sicher gut beraten, hier am Atlantik in Hendaye zu beginnen. Nach Auskunft der einheimischen Bergführer sind wegen der stabilen Wetterlage die Monate August und September zu favorisieren und sieben Wochen Wanderzeit sind nicht übertrieben. Man trifft tatsächlich auf Wanderer, die den Weg ohne Eile am Stück begehen. Unterkünfte findet man in fast allen Bergdörfern, denn viele der sich ansiedelnden Aussteiger betreiben eine Pension mit Versorgungsstützpunkt für Wanderer.

Unser Programm beinhaltete noch einige sehr interessante Wanderungen über verschiedene Gipfel und aussichtsreiche Bergkämme, oft verbunden mit der Besichtigung baskischer Ortschaften. Natürlich gönnten wir uns auch einen Ruhetag im mondänen Badeort Biarritz mit seinen bizarren Felsformationen an den Stränden und machten einen Abstecher nach Bayonne, der Hauptstadt des französischen Baskenlandes.

Am Ende konnten wir sagen, dass wir gut beraten waren, mit den Schwarzwäldern auf Reisen zu gehen. Wir haben einen Überblick über die Schönheit der Pyrenäen gewonnen und würden immer wieder hinfahren. Das Sprachproblem ist allerdings geblieben und muss vor jeder Reise neu gelöst werden, denn die geringe Anzahl deutscher Aussteiger hilft kaum weiter.