Reiseerlebnisse Berichtet von Uta und Rudolf Nagel


 

Auf den Spuren unserer Urmitglieder  Juli 2006

Eine Radtour von Dessau in die Lechtaler Alpen anlässlich des 111. Jubiläums

der DAV-Sektion Bergfreunde Anhalt Dessau

 

Beim Durchsuchen alter Unterlagen fand jemand den Hinweis, dass im Jahre 1932 zwei damalige Sektionsmitglieder von Dessau in die Lechtaler Alpen geradelt sind. Das war Grund genug, im einhundertelften Jahr seit dem Bestehen unserer Sektion, eine ähnliche Tour zu absolvieren. Wir legten natürlich besonderen Wert darauf, eine Verbindung von Dessau über die Dessauer Hütte in Papstdorf zur Anhalter Hütte in den Lechtaler Alpen, die früher unser Eigentum war, zu schaffen. Es war nicht ganz einfach, eine sinnvolle Strecke auszuarbeiten. Als die Vorbereitungen schließlich abgeschlossen waren, drohte Uta wegen einer Venenentzündung auszufallen. Dann aber gab der Arzt grünes Licht und wir fuhren sicherheitshalber einen Tag früher als geplant los.

Mit uns fuhr auch Karl-Heinz Lau, ein ehemaliger Dessauer und unser langjähriger Kletterfreund aus Füssen. In Papstdorf wollten Elke und Helmut Stegmann, sowie Adolf Ohnesorge zu uns stoßen.

So starteten wir zunächst zu dritt am 10. Juli bei bestem Wetter in Dessau. Es rollte prima, denn wir hatten den alternativen Elberadweg auf der linken Flussseite gewählt, der uns Verkehr und zwei Fährübersetzungen ersparte. Am Nachmittag saßen wir bereits im Fährhaus Dommitzsch bei Kaffee und Heidelbeerkuchen.

Mit vierzig Kilometern bis Belgern war der nächste Tag eher ein Ruhetag, den wir für einen Stadtbummel in Torgau und eine Besichtigung des neu angelegten Rolandparks in Belgern nutzten.

Da es wieder recht heiß zu werden drohte, starteten wir schon um sieben Uhr und waren deshalb auch sehr zeitig in Dresden. An der hier derzeit herrschenden Euphorie um die Frauenkirche kamen auch wir nicht vorbei. Besichtigung und anschließende Kuppelbesteigung waren also Pflicht. Am Abend klingelte mein Handy und Elke überbrachte die schlechte Nachricht: Helmut liegt im Krankenhaus. Wir waren deprimiert.

Es folgte ein Bummeltag nach Papstdorf und dort ein Spaziergang zum Kohlbornstein. Am Abend kam Adolf, so waren wir wenigstens vier.

Die Fahrt durch Tschechien stand nun vor uns und sie lief besser als wir erwartet hatten. Nach dem Verlassen der Elbe war die Eger der "rote Faden", an dem wir uns orientierten. Teils waren es verkehrsarme Nebenstraßen und teils Radwege, die wir benutzten und fast alle waren asphaltiert. Allerdings hatten wir ständig mit Bergen, teilweise bis zu vierzehn Prozent Steigung, zu kämpfen. Touristische Highlights findet man hier weniger, wer aber genauer hinschaut, kann sich durchaus an kleinen Naturschönheiten und an freundlichen Städten erfreuen. Hinter Karlsbad durchfuhren wir die Svatošské skály, eine tiefe Schlucht mit bizarren Felsformationen.

Es war der vierte Tag in Tschechien und noch nahmen die Berge kein Ende, aber der Oberpfälzer Wald kam in Sicht und Deutschland war nicht mehr weit. Unser erstes Ziel nach Überschreiten der Grenze war der Mittelpunkt Europas in der Nähe von Neualbenreuth. Auf der 1865 vermessenen Stelle wurde 1985 ein Stein aufgestellt.

Wir passierten die Wasserscheide zwischen Elbe, Rhein, Nordsee und Naab, Donau, Mittelmeer und stießen in Tirschenreuth auf den Naabtalradweg, der uns an die Donau führte.

Die Hitze war wieder groß und kurz vor Kelheim suchten wir ein schattiges Plätzchen für eine Rast, als ein älterer Herr uns zu seiner kühlen Garage bat, den Kühlschrank öffnete und uns kostenlos mit Bier und Brause bewirtete. Es gibt eben noch gute Menschen.

In Kelheim stiegen wir aufs Schiff und genossen die Schönheit des Donaudurchbruchs. Hier zwängt sich der Fluss in fast siebzig Metern Breite durch einhundert Meter senkrecht aufragende Felswände, deren seltsame Formen die Menschen zu Sagen inspirierten, die über Lautsprecher zum Besten gegeben wurden. Da wir in Weltenburg übernachteten, konnten wir ausgiebig das köstliche Bier aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt genießen.

Pannen hatten wir nur auf einem kurzen Wegstück an der Donau. Adolf verlor zweimal die Luft und Uta einmal, wobei es sich bei Uta um Fehlalarm handelte. Dafür machte ihr eine erneute schmerzhafte Venenentzündung wesentlich größere Probleme. Da wir reichlich Zeit hatten, verkürzten wir die Etappen noch mehr als zuvor.

Im Lechtal standen uns zwei Radwege zur Verfügung. Zum einen war es die alte Römerstraße "Via Claudia Augusta" und zum anderen die "Romantische Straße". Wir benutzten beide, jedoch vorzugsweise die "Via Claudia", da man anhand von Schildern am Wegrande viel über die Geschichte der Straße und die damalige Zeit erfahren konnte. Städte wie Augsburg und Landsberg am Lech passten zu dieser Geschichtstour.

Kurioserweise gibt es hinter Schongau einen kleinen Ort der Dessau heißt und wir wollten ihn nicht verpassen. Aber es gab so viel Hinweisschilder, dass dies gar nicht möglich war, obwohl sich herausstellte, dass es sich nur um ein Gut mit ganz wenigen Häusern handelt und stünde dort nicht eine Via Claudia - Thementafel wären wir mit Schwung durchgerauscht.

In Füssen war ein Ruhetag insbesondere für Uta nötig. Während wir auf den Spuren des Bayernkönigs Ludwig II. wandelten, war Uta beim Arzt und der versorgte sie mit Spritzen und riet ihr dringend, sich ein paar Tage nicht anzustrengen. Es war schade, nach über tausend Kilometern kurz vor dem Ziel aufgeben zu müssen.

Während Uta in Füssen bei unseren Freunden blieb, radelten wir in Österreich weiter am Lech entlang bis Elmen. Hier begann nun der letzte Anstieg von vierhundert Höhenmetern, der mit Schiebestrecken und Tunneldurchfahrten noch einmal Kraft und Konzentration von uns forderte. Aber schließlich erreichten wir Boden und konnten uns ausruhen und erfrischen. Karl-Heinz bemerkte als Erster, dass wir rein zufällig bis zum Ziel 1111 km gefahren sind.

Nun warteten wir auf Hanna, Horst und Egon, die zwischen Dessau und den Lechtaler Alpen eine Reihe anspruchsvoller Wanderungen gemacht haben. Pünktlich trafen sie ein und wir konnten gemütlich am Abend über unsere Erlebnisse plaudern.

Am nächsten Morgen wanderten wir gemeinsam zur Anhalter Hütte, wo wir zwei Tage mit anderen Bergfreunden von unserer Sektion und der Sektion Oberer Neckar faszinierende Bergerlebnisse hatten.

Nach den Tagen auf der Hütte stiegen wir wieder nach Boden ab, bepackten unsere Räder und brausten hinunter ins Tal. Uta war in Füssen nicht untätig und hatte schon eine Zugverbindung ausgewählt und die Fahrkarte gekauft, so dass wir am folgenden Tag nach Hause fahren konnten.

Start in Dessau

Die Dresdner Frauenkirche

Start in Papstdorf / Dessauer Hütte

Im Egertal

Radeln im Naabtal / Naabburg

Der Donaudurchbruch

Schloss Neuschwanstein

Auf der Anhalter Hütte / Lechtal